30.04.2018 | BSG-Presseklub

#38 | Ein starkes Remis, ein Ehrenpräsident voller Wut und das Pokalfinale

Im Punktspiel gegen die „Mannschaft der Stunde“ aus Bernburg zeigte die BSG Wismut Gera erneut eine beeindruckende Leistung. Dabei stand das Spiel vor 278 Zuschauer im "ETL Freund & Partner Stadion am Steg" alles andere als unter einem guten Stern. So musste Trainer Frank Müller neben Romarjo Hajrulla auch auf den zweiten Winter-Neuzugang Robert Paul verzichten, der mit Adduktorenproblemen auf der Bank Platz nahm. Nach acht Minuten verletzte sich auch noch Sebastian Dräger so schwer, dass er ausgewechselt werden musste. Für ihn kam Dimitri Puhan ins Spiel. Nicht nur die Zuschauer waren angesichts der Verletzung des BSG-Stammspielers verunsichert, auch die Elf auf dem Platz brauchte einige Zeit um sich zu sortieren. Dies nutzten die anfangs selbstbewusst agierenden Gäste und gingen in der 11. Minuten in Führung. Torschütze war der Ex-BVB-Spieler Christopher Kullmann.

Nun musste die BSG dem Rückstand hinterherlaufen, tat dies zwar mit einer eindrucksvollen kämpferischen Leistung aber zunächst ohne Glück. „Nach einer Weis-Eingabe traf Luck den Ball mit der Fußspitze nicht richtig (20.). Zwei Minuten später hatten die Zuschauer den Torschrei auf den Lippen. Wismut-Kapitän Weis drehte sich im Strafraum geschickt um Gegenspieler Groß. Sein Schlenzer prallte an den linken Innenpfosten, von dort zum rechten Innenpfosten, von wo der Ball wieder auf der Torlinie zurückrollte, ehe ihn ein Bernburger aus der Gefahrenzone schlug (22.). Weis rackerte unermüdlich, kurbelte das Geraer Spiel nicht nur an, sondern war auch selbst torgefährlich. Seinen Versuch von der Strafraumgrenze mit dem linken Fuß faustete Baldauf ab (31.). Keine Minute später verfehlte sein Rechtsschuss aus der Distanz den Askania-Kasten knapp (32.). Nach einer Schubert-Ecke köpfte der freistehende Luck nur ans Gebälk (35.)“, beschreibt Jens Lohse in seinem OTZ-Bericht das Anlaufen der BSG-Elf.

Auch nach der Pause bestimmte die BSG das Spiel und erarbeitete sich zahlreiche hochkarätige Chancen. Ein Heber von Carsten Weis landete an der Lattenunterkante. Torjäger Andreas Luck scheiterte mehrfach in aussichtsreicher Position am Askania-Keeper. Die Gästeelf konnte sich a noch aus der eigenen Hälfte befreien. Die Bälle wurden teilweise planlos ins Aus geschlagen, um Zeit zu gewinnen. Auch wurde das Spiel in der Schlussphase unfairer. Mit der Auswechslung von Marcus Bäcker (83.) kam der Gästecoach einem bevorstehenden Platzverweis zuvor. Die Unsportlichkeit von Dmitrijs Poliscuks gegenüber Timo Slawik blieb vom Linienrichter unerkannt und daher unbestraft. In der 87. Minute wurden die Gastgeber für ihre starke kämpferische Leistung belohnt. „Nach einem kurz gespielten Schubert-Freistoß flankte Weis nach innen. Luck legte den Ball mit dem Kopf ab und der eingewechselte Marco Pusch erzielte per Flugkopfball das 1:1 - sein zweites Joker-Tor binnen fünf Tagen (87.)“, so OTZ-Reporter Jens Lohse. Die BSG erarbeitete sich in den letzten Minuten weitere Chancen, doch es blieb beim 1:1 Remis.

„Heute ist lange Zeit alles gegen uns gelaufen. Erst musste Robert Paul draußen bleiben, dann die frühe Verletzung von Basti Dräger und auch noch das frühe Gegentor. Da haben wir erst einmal etwas gebraucht. Die restliche Spielzeit hat die Mannschaft aber alles versucht und sich den einen Zähler redlich verdient. In der Tabelle treten wir derzeit allerdings etwas auf der Stelle“, so Wismut-Trainer Frank Müller in der OTZ.

„Das ist ein glücklicher Punktgewinn für uns. Wir hatten heute richtig viel Brühe“, war das Fazit von Askania-Trainer Karsten Oswald. Umso mehr überraschte daher der Aufmacher „Bernburg gibt Sieg aus der Hand“ beim Portal FUPA.net. Vielmehr hatten die Gäste Glück und die Gastgeber „Pech und Pusch“.

Schwierige Außendarstellung: Oberliga verliert zwei Vereine
Sachsen-Anhalt verliert unabhängig vom sportlichen Ausgang der aktuellen Saison zwei Vereine aus der Oberliga. Der SV Merseburg wird 24 Monate nach dem Aufstieg in die Oberliga freiwillig in die Landesklasse und damit die 7. Liga zurückkehren. „Die Gründe dafür sind vielfältig: Da ist zum einen die schwierige Außendarstellung der Spielklasse, in der Gegner wie etwa Krieschow oder Rudolstadt keinen Zuschauer zusätzlich anlocken. Im Schnitt kamen zu den Merseburger Heimspielen bisher etwa nur gut 100 Fans“, heißt es in der Mitteldeutschen Zeitung. Doch der wichtigste Grund für die Entscheidung zukünftig zwei Etagen tiefer Fußball spielen zu wollen, ist der Personalmangel. „Es fehlt dem Verein an Personen, die Verantwortung übernehmen wollen“, so Andreas Wellmann, Vizepräsident des SV Merseburg 99, im Gespräch mit der Mitteldeutschen Zeitung.

Nun hat auch der Vorstand des FSV Barleben 1911 gegenüber dem NOFV erklärt, unabhängig vom sportlichen Abschneiden auf eine weitere Oberligasaison verzichten zu wollen. „Der FSV Barleben 1911 hat in den letzten zehn Jahren eine sportliche Entwicklung von der Kreisliga bis hin zu drei Jahren Oberliga hingelegt, die seines Gleichen sucht. Dem Verein blieb dabei kaum Luft und Zeit die strukturelle und wirtschaftliche Entwicklung dementsprechend anzupassen“, erklärt der Verein auf seiner Internetseite. Der finanzielle Aufwand durch diverse Verbandsabgaben, Auflagen, Fahrkosten, Schiedsrichter- oder Sicherheitskosten; der gleichzeitige Zuschauerschwund auf Grund fehlender Attraktivität sowie ein nicht unerheblicher Rückgang von Sponsoreneinnahmen in dieser Saison werden als Gründe für den freiwilligen Abstieg genannt. Die Zeitung Volksstimme berichtet, dass sich viele Sponsoren zurückziehen und „lieber den 1. FC Magdeburg in der 2. Bundesliga“ unterstützen.

Ehrenpräsident „außer sich vor Wut“
Es ist höchste Zeit für eine Diskussion zu den Folgen bei Zwangsabstieg nach Insolvenz im Fußball findet Mehmet Ali Han vom Berliner AK 07 und ist laut Vereinsangaben „außer sich vor Wut“. Auf der Internetseite wird der Ehrenpräsident wie folgt zitiert: „Das ist doch unfassbar! Teams wie Erfurt oder Chemnitz verbrennen Gelder und gehen einfach in die Insolvenz. Und wegen denen, die nicht mit dem Geld haushalten können, müssen andere Vereine wie wohlmöglich Chemie Leipzig zwangsabsteigen.“

100.000 Euro für die Regionalliga
Mit knapper Mehrheit hatte Bischofswerdas Stadtrat tags zuvor zugestimmt, 100 000 Euro aus dem Stadthaushalt für die Ertüchtigung des Stadions im Wesenitzsportpark und den Umbau der Volksbank-Arena bereitzustellen. Dies berichtet sportbuzzer.de. Da für einen Umbau der Volksbank-Arena erst 2019 mit Fördergeldern zu rechnen ist, soll zunächst der Wesenitzsportpark ertüchtigt werden. Die Kosten werden auf 128 395 Euro geschätzt, von denen der BFV 78 395 Euro tragen soll. Die Stadt gibt laut Beschluss 50 000 Euro dazu. Mit weiteren 50 000 Euro aus der Stadtkasse soll der anschließende Umbau der Volksbank-Arena gefördert werden.

Finale ohne Jena-Fans?
Nachdem die FC Carl Zeiss Jena Fußball Spielbetriebs GmbH im offiziellen Stadionheft "Anpfiff" einen Kommentar mit dem Titel „Der Erfurter Pokal-Olymp“ veröffentlichte und der Verfasser darin sein Unverständnis über den Austragungsort für das Pokalfinale zum Ausdruck brachte, scheint es in Jena offensichtlich Überlegungen zu geben, dem Finale fernzubleiben. Diese Vermutung lässt zumindest ein Facebook-Kommentar von Dirk Plötner, Vorsitzender der 2008 gegründeten Bürgerinitiative „Unser Stadion Jena e.V.“, zu. Darin erklärt Plötner, dass „große Teile der Jenaer Fans … vor allem wegen dem Handeln des TFV auf das Endspiel verzichten“ werden.

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