25.02.2016 | Widerspruch zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung

FC INTER Leipzig: Jung, gutaussehend und sozial?

Geht es um den FC International Leipzig, dann trifft man nicht nur bei Lok und Chemie sondern auch im Umfeld von RB Leipzig mindestens auf Skepsis. Irgendwie traut man den INTER-Verantwortlichen nicht über den Weg. Und trotzdem gehört der Club zu Leipzig und hat sich innerhalb kürzester Zeit zur sportlichen Nummer 3 in der Messestadt entwickelt.

Der erst im August 2013 gegründete FC International Leipzig wollte nicht wie üblich ganz unten in der 3. Kreisklasse starten, sondern suchte Partner für eine Fusion und hatte sich mit der ausgegliederten Fußball-Abteilung des SV See (Ortsteil des ostsächsischen Niesky) in der Saison 2014/15 erstmals das Landesliga-Spielrecht gesichert. Der Betrag, den der FC International Leipzig für die Fusion bezahlt haben soll, liegt nach Informationen der Leipziger Volkszeitung vom 19. Juni 2014 bei 12000 Euro. "Diese Zahl ist Spekulation", entgegnet Christian Meyer, damaliger Vorsitzender des Vereins. Zuvor war ein Fusionsversuch mit dem Bezirksligist TuS Leutzsch am Ehrenrat der Leutzscher gescheitert. Nach eigenen Aussagen wollte Heiner Backhaus sein Konzept auch der BSG Chemie Leipzig vortragen, doch zu einem Gesprächstermin kam es nicht. „Das war für uns alle damals unverständlich, und Grund genug über einen komplett neuen Verein nachzudenken, in dem solche persönlichen Dinge keinen Platz haben und es immer nur um die Sache an sich geht. Letztendlich kann man sich aber für dieses ignorante Verhalten im Nachhinein nur bedanken, weil es einem die Augen öffnet, dass man selbst Verantwortung übernehmen muss“, so Backhaus in einem Interview mit urbanite.net.

Ins Leben gerufen wurde das Projekt vom damaligen Vereinsvorsitzenden Christian Meyer und Ex-Profi Heiner Backhaus. Beide spielten gemeinsam bei Blau-Weiß Farnstädt in der Landesliga Sachsen-Anhalt. „Der Heiner und ich, wir haben letztes Jahr im Sommer zusammengesessen und haben uns überlegt, dass Leipzig noch einen guten, dynamischen Fußballklub gebrauchen kann und haben uns dann einfach, ja, aus einer gewissen Naivität auch gegründet“, so der damalige Vorsitzende im Auftakt-Video des Vereins. Meyer ist Sohn einer Mitarbeiterin im Sportamt, so zumindest ist es im Netz an vielen Stellen zu lesen und vom ersten Co-Trainer des Vereins, der zu DDR-Zeiten ein Spieler der BSG Chemie war. Doch nicht nur das familiäre Netzwerk Meyers beeindruckt. Zum Personaltableau von INTER gehören Coaching-Unternehmerin Heike Vennemann und Sportvermarkter Tilmann Meuser. Der in Gera geborene thüringischer Wirtschafts- und Wissenschaftsminister und Leipzigs Ex-OBM Wolfgang Tiefensee (SPD) ist Schirmherr des FC INTER Leipzig. Im September 2014 erläuterte der ehemalige Bürgermeister Leipzigs auf dem Videokanal von Ex-INTER-Präsident Christian Meyer seine Rolle bei INTER.



Die Netzwerkprofis öffneten für den FC International Türen und suchten kompetente Unterstützer. Doch die Allianz war dabei nicht in jeder Hinsicht erfolgreich. So wurde die ehemalige Führungsfigur der in die Insolvenz gegangenen SG Sachsen Leipzig, Jamal Engel, im September 2014 als neuer Geschäftsführer berufen. Die Zusammenarbeit dauerte nicht mal einen Monat. „Ich kann die Aufgabe nicht zu 100 Prozent erfüllen. Deshalb war es die einzig faire Lösung“, erklärte Engel die Trennung auf Nachfrage von LVZ-Online. Gemeinsam mit Engel wurde auch der frühere Leipziger Stadtkämmerer Peter Kaminski als Schatzmeister verpflichtet. Kaminski war seit 1990 Finanzbürgermeister Leipzigs und 2004 nach Korruptionsvorwürfen vom Stadtrat abgewählt worden. 2010 wurde der Ex-Stadtkämmerer wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Im Februar 2015 kam es im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zur Neustrukturierung der Vereinsführung. Christian Meyer (36) war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr Präsident des damaligen Fußball-Sachsenligisten. Die Mitglieder wählten sowohl einen neuen Vorstand als auch einen Aufsichtsrat, auf die Wahl eines Präsidenten verzichteten die Anwesenden. So besteht der Vorstand aus Ulf Graichen (CG-Gruppe; verantwortlich für Infrastruktur/Finanzen), Christopher Siebenhüner (Geschäftsführer der Werbeagentur Gecko Networks; verantwortlich für Sport/Marketing) und Heike Vennemann (Soziales). Den neu gegründeten Aufsichtsrat bilden der Leipziger Wirtschaftsjurist Carsten Schulz, Rechtsanwältin Emilia Raschke und Prof. Dr. Holger Stephan (Leiter der Abteilung Geburtsmedizin am Universitätsklinikum Leipzig). Geführt wird der Verein durch den Torgauer Inhaber einer Versicherungsagentur Sandro Kahl.

Liebe Freunde,ende Januar trafen sich alle Mitglieder von INTER Leipzig zu einer außerordentlichen...

Posted by FC International Leipzig on Freitag, 13. Februar 2015


Hauptsponsor von INTER ist seit Sommer 2014 die CG Immobilien Gruppe GmbH & Co. KG. „Im Segment Mietwohnungsbau für institutionelle Kapitalanleger wie Versicherungen, Versorgungsanstalten, börsennotierte Unternehmen und sonstige Anleger ist die CG Gruppe in Deutschland marktführend“, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens. Deren Geschäftsführer Christoph Gröner ist von dem Projekt begeistert. „Besonders wertvoll beim FC INTER Leipzig ist aus meiner Sicht die Verknüpfung von Fußballleidenschaft und sozialem Engagement“, so Christoph Gröner, Geschäftsführender Gesellschafter der CG Gruppe. Die BILD-Zeitung stellte Gröner seiner Leserschaft als den „Neuen König vom Neumarkt in Dresden“ vor. Auch mit der Rettung des Leipziger Opernballs hatte die Unternehmensgruppe für überregionale Aufmerksamkeit gesorgt. Im Netz finden sich rund um die CG Gruppe und ihren Geschäftsführer auch kritische Informationen.

Mit 100.000 Euro wird das Fußballprojekt durch die Unternehmensgruppe unterstützt, so erklärt es zumindest Coach Backhaus in einem Gespräch mit Ullrich Kroemer. "Backhaus kann seinen Spielern keine großen Gehälter zahlen. Zwischen 200 und 500 Euro bekämen sie pro Monat, sagt er. Doch Sponsoren stellen Wohnungen und Autos. Offenbar genug für die Fußballer, um hier ihr Glück zu versuchen“, heißt es in dem Artikel weiter.

Verein plant INTER-Arena
Ursprünglich war INTER auf einem untergepachteten Spielfeld mit kleineren Räumlichkeiten im Mariannenpark zu Hause, welches der Verein gerne sanieren wollte. Dieses Vorhaben ist aber durch Differenzen mit dem 1. FFC Wacker, dem Hauptplatzmieter, vorerst vom Tisch. Im Oktober kam es zu Streitigkeiten zwischen dem FC INTER und dem FC Wacker, dem Hauptpächter im Mariannenpark, woraufhin Wacker-Präsident Holger Drendel den Zugang zum Sportplatz verweigerte. Der FC INTER, Unterpächter eines Platzes, erwirkte daraufhin eine einstweilige Verfügung und ließ das Torschloss von der Polizei öffnen. Grund für den Ärger waren nach Angaben des Wacker-Chefs nicht eingehaltene Vereinbarungen sowie angebliche INTER-Schulden in fünfstelliger Höhe. Der SVW hat drei der vier Sportplätze in der Parkanlage in Schönefeld gepachtet, inklusive der bestehenden sanitären Anlagen. INTER bespielte den vierten Platz, nutzte zeitweise aber auch die Gegebenheiten im anderen Teil der Anlage. „Wir sind auf den Kosten sitzen geblieben. Die benutzen unsere Anlage als Zugang, nutzen unsere Strom- und Wasseranschlüsse – zahlen aber nicht“, so Drendel gegenüber LVZ-Online.

In die NOFV-Oberliga Süd spielt der FC INTER im Sportpark Tresenwald in Machern zwischen Leipzig und Wurzen. Dies soll sich ändern. Gemeinsam mit dem Hauptsponsor wurde beschlossen, eine eigene Spielstätte direkt gegenüber des Mariannenparks zu bauen. Die Arena soll dann 1500-2000 Menschen fassen. Die CG- Gruppe um Eigentümer Christoph Gröner hat das Grundstück vor einem Jahr gekauft und möchte dort verschiedene Gewerbe ansiedeln. Die Bauarbeiten sollen bereits im Frühjahr 2016 beginnen.

Backhaus: „Will Kinder von der Straße holen“
Trainer Heiner Backhaus ist viel rumgekommen. Er spielte u.a. in Griechenland, Australien, Hongkong, Saudi Arabien, Malta, Vietnam. Insgesamt 16 Stationen zählt Wikipedia, darunter finden sich mit dem FC Sachsen Leipzig und dem 1. FC Lokomotive Leipzig zwei Vereine aus der Messestadt. Auch bei RB Leipzig war Backhaus aktiv, allerdings nicht als Spieler sondern als Betreuer ausländischer Spieler. „Ich fühle mich in Leipzig einfach wohl, bin hier angekommen und endlich sesshaft geworden nach den letzten 15 Jahren ohne richtiges Zuhause“, so der Ex-Profifussballer im Interview.
Bei INTER will Backhaus Basisarbeit leisten und Kinder von der Straße holen. „Die erste Mannschaft ist das Dach, das haben die Traditionsvereine bislang ständig neu gedeckt – doch das Fundament und den Keller haben sie in der Vergangenheit vernachlässigt“, so Backhaus im Bericht der Zeitschrift 11Freunde.
In der Suche nach Nachwuchs ist man bei INTER allerdings weniger auf der Straße sondern beim Ex-Verein von Backhaus fündig geworden. So kooperiert INTER Leipzig in der aktuellen Saison mit dem SV Fortuna Leipzig 02. „Im Rahmen dieser Zusammenarbeit werden die A-, B- und C-Jugend-Teams beider Vereine zusammengelegt, um eine Stärkung der Jahrgänge zu erreichen“, heißt es.

Angriff auf Schiedsrichter
Auf der Suche sind die Verantwortlichen von INTER auch beim Thema Schiedsrichter. Pressesprecher Christopher Siebenhüner ging daher laut Aussage der LVZ-Online vor der Saison von einer Geldstrafe aus. Will man als nächsthöhere Sanktion Punktabzüge verhindern, muss der Verein Referees rekrutieren und für den Spielbetrieb melden. Bei der Suche dürften die Vorkommnisse im Rahmen einer Begegnung der Spielgemeinschaft Fortuna Leipzig I / FC International Leipzig II wenig förderlich sein. Im September 2015 schlug ein Spieler der SG den Referee der Stadtklasse-Partie Miltitz gegen die Spielgemeinschaft Fortuna Leipzig I / FC International Leipzig II mit der Faust ins Gesicht. „Offenbar kam es nach der Partie zu weiteren Bedrohungen und Beschimpfungen seitens weiterer INTER-Spieler. Im Nachgang wurde aufgrund der aggressiven Stimmung auch die Polizei gerufen“, informierte die LVZ-Online.

Attraktive Hülle
Zwar bedauerte INTER-Vorstand Christopher Siebenhüner den Vorfall gegenüber der LVZ, eine Entschuldigung oder Stellungnahme sucht man auf der Vereinsinternetseite allerdings vergebens. Dabei gehört der Webauftritt zumindest optisch zu den Besseren der Liga. Überhaupt ist Siebenhüners Handschrift in der Außendarstellung klar zu erkennen. Sowohl Web- als auch der Facebook-Auftritt der Vereins wirken professionell. Auch eine eigene Hymne präsentiert der Verein im Netz. Am neuen Logo dürfte der Geschäftsführer der Gecko Networks GmbH ebenfalls nicht unschuldig sein. Seit Saisonbeginn ziert nicht mehr das Einhorn sondern der Löwe die Trikots der INTER-Spieler. „Der FC International Leipzig ist ein moderner, junger und zielstrebiger Verein. Kaum etwas symbolisiert dies besser als das Wappentier Leipzigs: der Löwe", erklärte Siebenhüner die Erstellung des Logos gegenüber den Medien.

Doch für den Austausch des Logos dürfte weniger die moderne Gestaltung der entscheidende Beweggrund gewesen sein. Vielmehr ging es um Streitigkeiten in Bezug auf das Urheberecht beim Ursprungslogo. Dies hatte die „alte“ Vereinsführung nicht als Marke des FC INTER Leipzig beim Marken- und Patentamt eintragen lassen, sondern der ehemalige Präsident Christian Meyer hatte die Wort- und Bildmarke auf seinen Namen schützen lassen. Die Beweggründe lassen kaum Platz für Spekulationen und verstärken den Zweifel am rein sozialen Gedanken des Projektes. Eine ähnliche Situation gab es auch lange Zeit bei 1. FC Lokomotive Leipzig und konnte erst durch große finanzielle Anstrengungen gelöst werden. Auch anderen Klubs ist diese Diskussion nicht fremd. So konnte der BFC Dynamo nur durch ein neues Logo die Eigenständigkeit in diesem Bereich zurückgewinnen. Auch die BSG Wismut Gera ist bei den entscheidenden „Klassen“ nicht Eigentümer der Wort- und Bildmarke.

Sportlicher Durchmarsch
In 46 Meisterschaftsspielen (Sachsenliga, Oberliga) ging die Mannschaft von Heiner Backhaus 28 Mal als Sieger vom Platz. Damit verbunden war die Vizemeisterschaft in der Premierensaison und der Oberligaaufstieg. In der 5. Liga belegt der Aufsteiger nach 16 Spielen den 2. Platz und ist damit vor dem letztjährigen Sachsenmeister Bischofswerdaer FV 08 platziert. Großen Anteil am positiven Saisonverlauf hatte Kai Druschky mit seinen 11 Treffern in der Hinrunde. Der Torjäger wurde in der Winterpause von Rot-Weiss Essen aus dem bis 2018 datierten Vertrag bei INTER herausgekauft und geht nun beim Ruhrpottklub auf Torejagd. Auch Mittelfeldspieler Marcelo Freitas wechselte zum FC Oberlausitz Neugersdorf in die Regionalliga Nordost.

Im Gegenzug verpflichtete INTER vor dem Start der Rückrunde vier neue Spieler. Diese fanden die Verantwortlichen allerdings nicht in den sozialen Brennpunkten der Messestadt sondern bei internationalen Topclubs. Der portugiesische Stürmer Bocar Djumo (21) wechselte von der U23 Inter Mailands nach Leipzig. „Bocar hat alles, was einen modernen Stürmer ausmacht. Er ist schnell, robust und technisch stark“, so Heiner Backhaus. Neu im Team ist auch Christopher Duberet (21). Der Grieche kommt von AEK Athen und verstärkt die Abwehr des Tabellenzweiten. „Er und der Coach kennen sich bereits von früher. Christopher trainierte bereits in Griechenland unter Trainer Heiner Backhaus“, informierte der Verein. Auch Stürmer Alexander Langner (21) wechselte von Ligakonkurrent Lokomotive Leipzig zu INTER. Vierter Neuzugang ist Stanko Cvitkovic (25). Der Kroate kommt vom Sachsenligist FC Eilenburg und verstärkt als Innenverteidiger die Leipziger Defensive.

+ + + Christopher Duberet - Neuzugang bei INTER + + +WILLKOMMEN!INTER Lepzig verpflichtete heute Morgen den 21-jä...

Posted by FC International Leipzig on Donnerstag, 7. Januar 2016


Der Mannschaft um Kapitän Manuel Moral Fuster (28) gelang u.a. mit zwei Unentschieden gegen die höherklassigen Mannschaften vom FSV Zwickau (3:3) und dem FSV Wacker Nordhausen (1:1) eine perfekte Vorbereitung. Auch der Rückrundenstart verlief mit dem 2:0 Erfolg gegen den Mitaufsteiger FSV Barleben 1911 erfolgreich. Dabei konnte sich Neuzugang Bocar Djumo mit einem Freistoßtreffer in die Torschützenliste eintragen. Nun steht am Sonntag das nächste Aufsteigerduell bevor. Die Leipziger reisen zur BSG Wismut Gera. „Es geht für unser Team darum, sich weiterhin in der Top-3 der Liga festzusetzen. Unterschätzen darf man die Thüringer nicht, schon im Hinspiel machten sie uns das Leben schwer und man trennte sich Unentschieden“, informiert der Verein aus der Messestadt. Mit dem damaligen 2:2 waren die Orange-Schwarzen sehr zufrieden. "In der zweiten Halbzeit haben wir uns besser auf den Gegner eingestellt und nur noch wenig zugelassen. Mit etwas Glück hätten wir den Platz am Ende sogar als Sieger verlassen können", äußerte sich der der Wismut-Coach Rene Grüttner nach dem Spiel gegenüber der OTZ. In der Zwischenzeit trennen beide Vereine in der Tabelle 24 Punkte. INTER hat sich fest in der Tabellenspitze etabliert und will gegen den Aufsteiger drei Punkte einfahren. Die BSG braucht ebenfalls einen „Dreier“, um an die Nichtabstiegsplätze heranrücken zu können. Daher erwartet die Zuschauer im Stadion der Freundschaft ein spannendes Spiel. Auf Schiedsrichter Daniel Köppen sowie seine Assistenten Nico Dreschkowski und Stefan Hübner dürfte einiges an Arbeit zukommen. In der Fairness-Tabelle belegt INTER den vorletzten Tabellenplatz. Zwei Rote Karten, 5 Gelb-Rote Karten und 31 Gelbe Karten sprechen für eine rustikale Spielweise der Leipziger. Auch die Gastgeber (3, 3, 40) haben in den ersten 16 Spielen bereits zahlreiche Verwarnungen erhalten.




Fazit: Verein mit Glaubwürdigkeitsproblem
Völlig unabhängig von der eindrucksvollen sportlichen Entwicklung, wird auch fast drei Jahre nach der Gründung INTER insbesondere in Leipzig kritisch oder sogar ablehnend beobachtet. Die starke Betonung der Arbeit mit sozial schwachen Kindern und Flüchtlingen durch den Verein wirft Fragen nach der realen Umsetzung auf. „Der Ansatz sei nur vorgeschoben, um möglichst schnell und viele Jugendliche zusammenzubekommen und so die Auflagen der Verbände zu erfüllen“, heißt an mehreren Stellen im Netz. In den Kommentaren wird der Ton auch rauer: „Mich wundert gar nichts bei diesem scheinheiligen FC International. Man muss nur die Namensliste der dortigen Verantwortlichen lesen, um zu erkennen wohin der Hase läuft. Selbst der naivste Bim müsste mittlerweile mitbekommen haben, das das ganze Migrationsjugendhilfegeschwätz von vorn bis hinten erstunken und erlogen ist. Die dürften nie ne Lizens bekommen haben“.

Auch Rotebrauseblogger Matthias Kießling hinterfragt dies kritisch: „Mal völlig abgesehen davon, dass der interkulturelle Ansatz auch kritisch gewürdigt werden kann, zumindest wenn man ihn in der Praxis nicht als Integrationsmittel einsetzt, sondern es sich als Festlegung von Menschen auf eine scheinbar herkunftshergeleitete Kultur auslebt, bleibt die Frage, warum sich ein Verein, der sich in Leipzig dem Fußball mit interkultureller Prägung widmen will, nötig hat, eine Lizenz von einem anderen Verein übernehmen zu wollen und nicht einfach ganz unten in der Ligenpyramide anzufangen. An der Absicht allerlei Angebote für Jugendliche wie Hausaufgabenbetreuung und offene Jugendarbeit zu schaffen, hätte die Ligenzugehörigkeit der Männermannschaft wenig geändert.“

Ganz offensichtlich hat INTER mindestens in Leipzig ein Glaubwürdigkeitsproblem. Das Ziel des Kümmerns um die sozial Schwachen nehmen den Verantwortlichen nur wenige Leipziger ab. Coach Backhaus macht es sich mit seiner Aussage zu einfach: „Ich habe noch nie eine Stadt mit derart vielen Nörglern und Experten gesehen wie hier. Aber bekämpft wird hier grundsätzlich alles, weil es am einfachsten geht“. Dabei hätte ein Klick auf die Vereinsinternetseite gereicht, um zu erkennen, wo das Problem liegt. Der Nutzer findet eine attraktive Hülle und wohlklingende Zielvorgaben, Informationen über konkrete soziale Projekte sucht er allerdings vergeblich. Hinzu kommt ein Urheberrechtsstreit um das Logo, der die Zweifler darin bestätigt, dass eben nicht nur soziales Engagement sondern auch finanzielles Kalkül eine Rolle spielt. Solange dies so bleibt, wird es weiter kritische Stimmen geben, die gerade auch das Engagement von Minister Tiefensee hinterfragen. Und das zu Recht.

Thema:    BSG Wismut Gera
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